Innovatoren glänzen mit inspirierenden Ideen trotz der Eintönigkeit der CES 2019

Die CES 2019 war voll von 5G, Drohnen, künstlicher Intelligenz (KI), autonomem Allerlei, Wearable-Geräten sowie intelligenter (und weniger intelligenter) Verbindungstechnik für Heim und Sicherheit. Es gab auch einige interessante Chip-Ankündigungen von Nvidia und einen interessanten Redebeitrag von Lisa Su von AMD. Der Ausstellungsbereich war voll von interessanten Konzepten, Ideen und Gadgets, darunter auch manche, deren Sinn sich nicht unmittelbar erschließt. Hier sind einige, die es durch die Filter „überraschend“, „nützlich“, „praktisch“ und „inspirierend“ geschafft haben.

Wenden wir uns zuerst dem Überraschenden zu. Nach stundenlangen Fußmärschen und Gesprächen mit den Lieferanten der neuesten technologischen Innovationen hat der Anblick des Stands der Millner-Haufen Tool Company bei mir einen Zustand von kognitiver Dissonanz und technischer Realität ausgelöst (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der völlig aus dem Kontext gefallene Stand von Millner-Haufen überraschte alle mit einer Vorführung, auf der gezeigt wurde, wie die flexiblen Universal-Bohreinsätze gehärteten Stahl und Betonblöcke ganz schnell in Schweizer Käse verwandeln. (Bildquelle: ClariTek/TechWire International)

Wenn Ihnen schon einmal ein Bohreinsatz kaputtgegangen ist, können Sie ermessen, warum die Vorführung, wie diese biegsamen und flexiblen Universal-Bohreinsätze sich durch gehärteten Stahl, Beton und Fliesen schnitten, so faszinierend war. Ich musste es einfach erwähnen, zum Teil wegen der hervorragenden Vorführung und weil es völlig überraschend und aus dem Kontext gefallen war – und wegen meiner eigenen Erfahrungen mit typischen handelsüblichen Bohreinsätzen. Dies sind Geburtstags- oder Festtagsgeschenke – eine Anschaffung fürs Leben – für alle, die Werkzeuge benutzen, ob Profi oder Bastler. Die richtige Anwendung mit der richtigen Geschwindigkeit für das betreffende Material gehören natürlich zum Erfolgsrezept.

Kommen wir jetzt zu den klassischen CES-Vorführungen.

Optimierte Hautbehandlung durch elektrisches bakteriologisches Profil

Diese Vorführung der Taiwanesischen Firma Skin Electric war faszinierend, da ihr eigene Forschungen zugrunde lagen, die zum Ersten zeigten, dass Hautbakterien elektrische Impulse aussenden, und zum Zweiten, dass jede Bakterienform ein eigenes elektrisches Profil hat (Abbildung 2).

Abbildung 2: Skin Electric entdeckte, dass Hautbakterien elektrische Signale mit einem für den jeweiligen Stamm spezifischen Profil aussenden. Und mit Hilfe dieser Informationen entwickelte das Team präzise Behandlungen von Hautkrankheiten. (Bildquelle: ClariTek/TechWire International)

Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse entwickelte Skin Electric eine Möglichkeit festzustellen, genau welche Bakterien möglicherweise eine Hautkrankheit verursachen. Davon ausgehend kann dann die richtige Behandlung angewandt werden. Dies steht im Gegensatz zu den aktuellen Behandlungsmethoden, zu denen Versuch und Irrtum mit verschiedenen örtlich anzuwendenden und einzunehmenden Chemikalien und Hormonbehandlungen gehören.

Was haben Ohrhörer und autonome Fahrzeuge gemeinsam?

Dies kann sich auf viele der auf der CES behandelten Themen beziehen, da KI der gemeinsame rote Faden ist. Besonders interessant sind das Pilot Translating Earpiece (ein übersetzender Ohrhörer) von Waverly Labs (Abbildung 3) und das OmniCam-System von OmniEyes. Diese Produkte sind gute Beispiele dafür, wie geradlinig Front-End-Hardware eingesetzt werden kann und wie diese dank Back-End-Algorithmen mit künstlicher Intelligenz und der Auswertung von Daten sowohl für den Benutzer als auch für den Hardware-Hersteller immer wertvoller wird.

Abbildung 3: Das Pilot Translating Earpiece stellt die KI in den Dienst von Reisenden und übersetzt 15 Sprachen direkt ins Ohr. (Bildquelle: ClariTek/TechWire International)

Das Pilot Translating Earpiece kann bis zu 15 Sprachen verstehen und übersetzen – direkt in das Ohr des Benutzers. Es verbindet Spracherkennung, maschinelles Übersetzen und Wearable-Technologie – aber das Faszinierende ist, dass die Hardware mit der Zeit umso „intelligenter“ wird, je mehr Nutzungsdaten in den Algorithmus einfließen.

In ähnlicher Weise besteht das Modell von OmniEyes darin, die relativ einfache OmniCam-Dashcam-Technologie in aktuelle und künftige Fahrzeugmodelle einzubringen und lokale Bezugspunkte (Geschäfte, Schilder, Schlaglöcher, Standbilder) zu identifizieren und zur Analyse an eine Datenbank zurückzusenden (Abbildung 4). Der ständige Datenstrom zur OmniEyes-Datenbank liefert Kontextinformationen an den Fahrer und ermöglicht dem Unternehmen, Datendienste für Dritte bereitzustellen, die die Echtzeitansicht von wichtigen Bezugspunkten und Sehenswürdigkeiten ebenfalls nutzen könnten.

Abbildung 4: Die OmniCam-Dashcam von OmniEyes analysiert die Umgebung, ermittelt Bezugspunkte für den Fahrer und aktualisiert dabei ständig eine Remote-Datenbank mithilfe von KI-Analysefähigkeiten. (Bildquelle: ClariTek/TechWire International)

OmniEyes verwendet zur lokalen Analyse der Daten im Randknoten (in der Kamera) proprietäre Techniken, sodass die zur Datenbank gesendete Informationsmenge minimiert wird, wodurch die Bandbreitenanforderungen und der Energieverbrauch reduziert werden.

Der Ohrhörer und die Kamera sind zwei hervorragende Beispiele dafür, wie einfach es ist, Hardware zur Erfassung von wichtigen Daten einzusetzen und dabei nützliche und sich ständig verbessernde Dienstleistungen für den Endbenutzer zu liefern. Und dies alles ohne Hardware-Updates. Dies ähnelt natürlich Alexa von Amazon oder Google Home, bei denen es sich um relativ einfache Geräte handelt im Vergleich zu den dahinterstehenden Remote-Servern und Algorithmen, die sich ständig verbessern und die Geräte intelligenter und nützlicher machen.

Pflege von älteren und gebrechlichen Personen

Ich hatte persönliche Erfahrungen bei der Pflege einer kürzlich verstorbenen Angehörigen gemacht – sie möge in Frieden ruhen. Ich habe meine eigene Frustration über den Mangel an wirklich nützlichen Lösungen, die ihr bzw. den älteren Menschen im Allgemeinen, helfen könnten, zum Ausdruck gebracht (siehe „Care of the Aged: There Has to be a Better Way (Altenpflege: Es muss eine bessere Lösung geben)“). Im Fall meiner eigenen Schwiegermutter löste eine falsche Medikation in einer Rehabilitationseinrichtung eine gesundheitliche Situation aus, die zu ihrem Tod führte. Wie ist so etwas bei unseren heutigen technischen Ressourcen möglich?

Die auf der CES 2019 vorgeführten Technologien werden ihr zwar nicht mehr helfen, aber hier ging es um punktuelle Lösungen für bestimmte Situationen und Bedingungen, die vielleicht eines Tages in eine umfassendere Methodik der Altenpflege einfließen könnten.

Ein Sturz ist für ältere Menschen eines der am meisten gefürchteten Ereignisse. Manche können nicht mehr aufstehen, was für sich genommen beängstigend ist, aber viele brechen sich dabei das Becken oder andere Knochen. Der E-vone-Schuh kann zwar einen Sturz nicht verhindern, aber er sendet in einem solchen Fall einen kabellosen Alarm, sodass zumindest jemand benachrichtigt wird (Abbildung 5).

Abbildung 5: Der für ältere Menschen bestimmte E-vone-Schuh sendet bei einem Sturz einen kabellosen Alarm. (Bildquelle: ClariTek/TechWire International)

Ich schlage einen weitergehenden präventiven Ansatz vor: Entwickelt eine Möglichkeit, die Daten von Fußbewegungen zu analysieren, um Gleichgewichtsstörungen erkennen zu können. Indikatoren wären z. B. eine verstärkte Muskelbewegung in den Füßen, da die Betroffenen im Laufe der Zeit unbewusste häufige Manöver zur Korrektur des Gleichgewichts ausführen. Der Schuh könnte dann noch vor einem Sturz einen Alarm senden.

Triple W hat ebenfalls mit Blick auf ältere und behinderte Personen sein tragbares Inkontinenz-Gerät DFree vorgestellt (Abbildung 6). Es erkennt, wenn die Harnblase fast voll ist und hilft dann, „Unfälle“ zu vermeiden.

Abbildung 6: Das DFree von Triple W warnt die Träger, wenn ihre Harnblase fast voll ist und hilft so, „Unfälle“ zu vermeiden. (Bildquelle: ClariTek/TechWire International)

Der Einsatzzweck für DFree ist zwar ehrenwert, aber es kann so viel mehr getan werden, als nur den Füllstand der Harnblase zu überwachen. Die Aufnahme von zu wenig Flüssigkeit kann zu Flüssigkeitsmangel führen, eine gefährliche und häufige Situation nicht nur bei älteren und gebrechlichen Menschen. Überhaupt keine Flüssigkeit könnte auf ein Nierenversagen hindeuten. Auch könnte eine Spektralanalyse oder eine Analyse der Flüssigkeit mit Funkwellen Hinweise für bisher nicht erkannte Erkrankungen anzeigen. Hier ist viel Platz für neue Ideen.

Nun zu einem angenehmeren Thema: BrainRobotics hat auf dem Gebiet der kostengünstigen intelligenten Prothesen interessante Fortschritte gemacht (Abbildung 7).

Abbildung 7: BrainRobotics hat eine erschwingliche intelligente Handprothese mit intuitiver Anwendung durch integriertes maschinelles Lernen entwickelt. (Bildquelle: ClariTek/TechWire)

Die Handprothese verfügt über acht elektromyographische Sensoren, die eine genaue Erkennung von Hirnsignalen ermöglichen. Darüber hinaus ist die mechanische Ausführung kostenbewusst. Anstelle der gesamten Hand können Einzelteile ausgetauscht werden. Auch ist die Anwendung durch den Einsatz von Techniken des maschinellen Lernens intuitiv.

Falls Sie jetzt glauben, dass LED-Beleuchtung nicht intelligenter werden kann: Sengled hat eine sehr clevere Konstruktion mit einem Bewegungssensor in einer LED-Leuchte herausgebracht (Abbildung 8). Die Lampe wird einfach in eine normale Lampenfassung im Außenbereich eingesetzt, und schon haben Sie eine Außenbeleuchtung mit Bewegungssensor, ohne dass zusätzliche Teile gekauft oder installiert werden müssen.

Abbildung 8: Bei der cleveren Konstruktion von Sengled ist ein Bewegungssensor in eine LED-Lampe für den Außenbereich integriert, sodass eine Standard-Außenbeleuchtung in eine Beleuchtungsanlage mit Bewegungserkennung verwandelt wird. (Bildquelle: ClariTek/TechWire International)

Fazit

Im Gegensatz zu anderen Startup-Unternehmen haben Sengled und die anderen hier erwähnten Firmen wirkliche Innovationen gezeigt. Es war schockierend und enttäuschend, dass viele andere einfach nur Imitationen oder kleinere Abänderungen bereits verfügbarer Produkte zeigten. Eine Firma, mit der ich sprach, zeigte eine Kopie der Außenbereichskamera und der LED-Beleuchtung von Ring. Ich fragte den Vertreter nach irgendwelchen Unterschieden zu den Originalen von Ring. Die freimütige Antwort war, dass es keine gäbe. Als ich ging, fragte ich mich, welchen Sinn dies haben könnte. Vielleicht ist das ein gutes Geschäftsmodell, aber auf einer Messe, die ein Botschafter für die Zukunft sein soll, ist so etwas sehr entmutigend. Zum Glück gab es einige Perlen, die Anregungen für künftige Produktideen bieten könnten. *

Über den Autor

Image of Patrick Mannion Patrick Mannion analysiert seit seinem Einstieg in das Ingenieurwesen vor mehr als 25 Jahren die Elektronikindustrie und konzentriert sich dabei auf informative Fachartikel, um Ingenieuren zu helfen, Risiken zu managen, Kosten einzudämmen und Designs zu optimieren. Früher Markendirektor und Vizepräsident der Elektronikgruppe von UBM Tech, bietet er nun Informationsdienstleistungen an.
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